Testament gestalten

Nach der gesetzlichen Erbfolge erben in erster Linie die Verwandten der jeweils nächsten Ordnung des Erblassers. Ab der 4. Ordnung gilt das sog. Gradualsystem. Ein Grad ist eine vermittelnde Geburt. Die gradmäßig am nächsten verwandte Person erbt allein bzw. mit gradgleichen Verwandten gemeinsam zu gleichen Teilen.

Verwandte der

  • ersten Ordnung sind Abkömmlinge des Erblassers (bspw. Kinder, Enkel und Urenkel),
  • zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Nachkommen (bspw. Geschwister, Neffen und Nichten des Erblassers),
  • dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Nachkommen (bspw. Onkel, Tanten, Vettern und Basen des Erblassers),
  • vierten Ordnung sind die Urgroßeltern des Erblassers und deren Nachkommen (bspw. Großonkel und Großtanten) und
  • fünften Ordnung und fernere Ordnungen sind entfernte Voreltern des Erblassers und deren Nachkommen

Personen, die mit dem Verstorbenen verschwägert sind, sind keine bei der gesetzlichen Erbfolge zu berücksichtigenden Verwandten. Ausnahmen bestehen bei Adoptivkindern (diese werden den leiblichen Kindern in der Regel gleichgestellt) und für den Ehegatten. Der Ehegatte hat, obwohl er nicht mit seinem verstorbenen Ehepartner verwandt ist, in der gesetzlichen Erbfolge ein eigenes Erbrecht. Partner/innen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft haben ein mit dem Erbrecht des Ehegatten vergleichbares Erbrecht. Sind keine Erben und kein Testament vorhanden, erbt der Fiskus. Ein Muster, Vorlage, Vordruck oder Beispiel für Mein Testament finden Sie auf den folgenden Seiten zum Download.

Prüfen Sie zunächst, ob letztwillige Verfügungen vorliegen (Testament, Erbvertrag) und ob diese ggf. wirksam sind.

Beispiel 1 einer gesetzlichen Erbfolge:
Knut verstirbt und hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder. Ein Testament gibt es nicht. Wer erbt was?
⇒ Seine Ehefrau wird Erbin zu ½ und die beiden Kinder zu je ¼

Beispiel 2 einer gesetzlichen Erbfolge:
Knut verstirbt und hinterlässt seine Ehefrau. Kinder hatte das Paar nicht. Ein Testament gibt es nicht. Sein Bruder Georg will wissen, ob er Erbe geworden ist.
⇒ Die Antwort lautet ja. Knuts Ehefrau wird Erbin zu ¾. Das restliche Viertel gebührt Georg.

Beispiel 3 einer gesetzlichen Erbfolge:
Knut hinterlässt weder Ehefrau noch leibliche Kinder. Allerdings adoptierte er drei Jahre vor seinem Tod Ralf. Abermals fragt Georg nach seinen Rechten.
⇒ Diesmal geht Georg leer aus, da Ralf alleiniger gesetzlicher Erbe geworden ist.

Als Erbe können Sie jenseits der guten Sitten alles bestimmen, was Ihnen in den Sinn kommt. Sie dürfen grundsätzlich Ihr gesamtes Vermögen demjenigen hinterlassen, den Sie privilegieren wollen (gleich ob dies der regionale Angelverein, Ihre Studentenverbindung oder eine sonstige gemeinnützige Organisation ist).

Sinn macht ein Testament vor allem dann, wenn der Erblasser Regelungen treffen will, welche die gesetzliche Erbfolge nicht vorsieht. Insbesondere die Einsetzung des überlebenden Ehegatten als Alleinerbe vor den Kindern bedarf einer testamentarischen Bestimmung. Auch können einzelne Zuwendungen in Form eines Vermächtnisses veranlasst werden oder Bestimmungen über den Pflichtteil (vgl. Pflichtteile) oder Auflagen getroffen werden.

Die Gestaltung des letzten Willens durch das Verfassen eines Testaments ist in verschiedenen Formen möglich. Neben dem eigenhändigen Testament kennt das Gesetz das öffentliche, unter Ehegatten und Lebenspartnern das gemeinschaftliche Testament. Während das öffentliche Testament vor einem Notar erklärt werden muss, kann das eigenhändige selbst verfasst werden.

Voraussetzung für alle Testamente ist, dass der Verfasser testierfähig, d.h. insbesondere geschäftsfähig ist. Für die formelle Wirksamkeit eines eigenhändigen Testamentes muss dieses vom Erblasser höchstpersönlich geschrieben und unterschrieben sein. Es sollte Angaben über den Ort sowie den Tag der Ausstellung enthalten, um bei mehreren Testamenten feststellen zu können, welches tatsächlich der letzte Wille des Verstorbenen war.

Laut einem Artikel des FOCUS sind 90% aller letztwilliger Verfügungen fehlerhaft. Das heißt nicht, dass nur jedes zehnte Testament wirksam sein muss. Jedenfalls sind bei einer erstaunlichen Anzahl letztwilliger Verfügungen Lücken zu schließen, Ungereimtheiten zu klären und ggf. das gesetzliche Erbrecht zu ermitteln.

Beachten Sie bitte unbedingt, dass Sie das Testament eigenhändig zu Papier bringen und es persönlich unterschreiben. Ausdrucke aus dem Computer sind in jedem Falle unwirksam.

Der Erbvertrag ist die geeignete Gestaltungsform, wenn eine Bindung der Verfügenden eintreten soll. Der Erbvertrag wird oft von Eheleuten gewählt, die sich zunächst gegenseitig als Erben einsetzen und schließlich festlegen wollen, dass nach dem Ableben des Letztversterbenden die gemeinsamen Kinder erben sollen.

Das Gesetz ermöglicht in §§ 1941, 2274ff. BGB durch Abschluss eines Erbvertrages eine bindende Nachlassplanung, die im Regelfall nicht mehr geändert werden kann. Zumindest ein Vertragspartner trifft eine oder mehrere Verfügungen, welche einseitig von ihm nicht mehr abgeändert werden können. Im Gegensatz dazu kann der Erblasser nach Errichtung eines Testamentes seine getroffenen Verfügungen von Todes wegen jederzeit ändern.

Der Erbvertrag kann als einseitiger sowie als zwei- oder mehrseitiger Vertrag geschlossen werden. Um einen einseitigen Erbvertrag handelt es sich, wenn nur der Erblasser vertragsmäßige Verfügungen trifft. Ein zwei- oder mehrseitiger Vertrag liegt vor, wenn mehrere Personen vertragsmäßige Verfügungen mit Bindungswirkungen treffen. Allerdings können der Erbvertrag oder einzelne Regelungen vom Vertragsschließenden angefochten werden, wenn dieser sich bei Abschluss des Vertrages über Inhalt und Bedeutung seiner Erklärung im Irrtum befunden hat oder bei Abgabe der Erklärung bedroht wurde oder sich der Kreis der Pflichtteilsberechtigten nach Abschluss des Vertrages vergrößert hat. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn Eheleute einen Erbvertrag geschlossen haben und der Letztversterbende noch einmal heiratet. Der neue Ehegatte ist Pflichtteilsberechtigter des Witwers, der wiederum den ursprünglichen Erbvertrag u.U. anfechten wird.

Ein Rücktritt vom Erbvertrag ist dann möglich, wenn sich die Vertragsparteien die Rücktrittsmöglichkeit vorbehalten haben, sich der Bedachte einer Verfehlung schuldig gemacht hat, die auch zur Entziehung des Pflichtteils berechtigen würde oder sich der vertragsmäßig Bedachte für die Zuwendung im Erbvertrag zu einer Gegenleistung verpflichtet hatte.

Der Erbvertrag ist dann sinnvoll, wenn über das Erbe Verfügungen zu treffen sind, welche durch den Erblasser nicht einseitig abgeändert werden sollen. Für die Bedachten bedeutet dies einen erhöhten Schutz sowie Planungssicherheit.

Der Erblasser kann durch Erbvertrag nur Erbeinsetzungen, Vermächtnisse sowie Auflagen bestimmen.

Der durch Erbvertrag Bedachte ist nach Abschluss des Vertrages gegen spätere, ihn beeinträchtigende letztwillige Verfügungen geschützt. Für den Erblasser hat der Erbvertrag den Vorteil, dass seine Vertragsparteien an den Vertrag auch noch nach seinem Tod gebunden sind. Auf diese Weise kann der Erblasser folglich die weitere Verfügung über sein Vermögen nach seinem Tode sicher stellen.

Einfluss des Güterrechts

Zunächst ist entscheidend, in welchem Güterstand Sie mit Ihrem Ehegatten leben. Das BGB kennt den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft und die beiden Wahlgüterstände Gütergemeinschaft sowie Gütertrennung. Haben die Ehegatten nichts anderes vereinbart, leben sie im gesetzlichen Güterstand. In der Zugewinngemeinschaft wird nur das während der Ehe erarbeitete (nicht aber Schenkungen, Lottogewinne, Erbschaften) Vermögen geteilt.

Übersteigt der Zugewinn des einen Ehegatten den Zugewinn des anderen, steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Ehegatten als Ausgleichsforderung zu. Dieser Ausgleich kann beim Tod eines Ehegatten pauschal abgegolten werden, indem der Erbteil des Ehegatten um ein Viertel erhöht wird, ohne dass es darauf ankommt, ob tatsächlich ein Überschuss des Verstorbenen erzielt wurde.

Die Zugewinnausgleichsforderung gilt nicht als Erwerb von Todes wegen im Sinne des Erbschaftssteuergesetzes und unterliegt somit nicht der Erbschaftssteuer. Im Fall des pauschalierten Zugewinnausgleichs erhöht sich die Erbquote des Ehegatten um ein Viertel, so dass der Zugewinn zum Erbe wird und besonders versteuert werden muss. Allerdings sieht das ErbStG in diesem Fall einen besonderen Freibetrag vor, der vom Nachlasswert abzuziehen ist. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, das Erbe auszuschlagen: Der Zugewinnausgleich und der dann zusätzlich anfallende (kleine) Pflichtteil können nämlich unter Umständen einen größeren Betrag ausmachen, als die Erbquote im Zuge der gesetzlichen Erbfolge.

Bei der Gütertrennung bleiben die Vermögensbereiche der beiden Ehegatten getrennt. Für die Erbquote im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge bedeutet das, dass nicht wie bei der Zugewinngemeinschaft eine pauschale Erhöhung des Erbanteils um 1/4 stattfindet. Wenn neben dem überlebenden Ehegatten Kinder erbberechtigt sind, erben alle — also auch der Ehegatte — zu gleichen Teilen.

Haben die Ehegatten Gütergemeinschaft vereinbart, entsteht bezüglich aller eingebrachten und erworbenen Vermögensrechte gemeinschaftliches Vermögen. Für das sog. Sonder- und das sog. Vorbehaltsgut bestehen Sonderregeln. Haben die Eheleute eine sog. fortgesetzte Gütergemeinschaft im Ehevertrag festgelegt, wird das gesamte Vermögen, das den Eheleuten gemeinsam gehörende Vermögen nicht vererbt.

Ein steuerrechtliches Beispiel zum Zugewinn (vgl. Steuerrecht):

Georg war über 40 Jahre mit seiner Frau Gertrud glücklich verheiratet. Die beiden hatten keinen Ehevertrag. Als das Paar in den 60er Jahren heiratete, brachte Georg stolz bereits 50.000 Euro Erspartes mit in die Ehe. Gertrud hatte nichts. Als Georg stirbt, hinterlässt er ein Vermögen in Höhe von insgesamt 2 Mio. Euro. Gertrud ist auf dem Papier nach wie vor mittellos. Gertrud fragt nach, welchen Betrag sie als Alleinerbin versteuern muss.

Der zu versteuernde Betrag ergibt sich wie folgt:
Vom Nachlasswert (= 2 Mio. Euro) ist der persönliche Freibetrag von Gertrud als Ehefrau in Höhe von 307.000 Euro abzuziehen. Ebenfalls ist der Versorgungsfreibetrag des Ehegatten in Höhe von 256.000 Euro in Abzug zu bringen. Der besondere Freibetrag des Zugewinns beträgt die Hälfte des Endvermögens des Georg (= 2 Mio. Euro) abzüglich des Anfangsvermögens (= 50.000 Euro), somit die Hälfte von 1,95 Mio. Euro = 975.000 Euro. Insgesamt kann Gertrud also von den geerbten 2 Mio. Euro 1.538 Mio. Euro abziehen (307.000 + 256.000 + 975.000). 462.000 Euro muss sie versteuern.

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